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Geschichte Gröbers

Wappen Gröbers [(c): Karsten Braun]
Wappen der Ortschaft Gröbers

Der Ortsteil Osmünde, im damaligen Gau Neletici gelegen, wurde am 26. Juni 952 durch Otto I. an seinen Vasallen Billing vertauscht und als marca Ozmina erwähnt. Die Osmünder Kirche ist eine der ältesten Kirchen des Kreises (bekannt durch Ablaß und Wallfahrten im Mittelalter). Ab dem 13. Jh. war das Dorf mit seinen Nachbardörfern als "Osmünder Pflege" dem Amt Giebichenstein unterstellt.
1898 wurde ein Konsumverein für Osmünde und Umgebung gegründet. Im März 1920 kämpften die Arbeiter gegen die Kapp-Putschisten und hoben ein Waffenlager aus. Die Waffen wurden in Osmünde zwischengelagert, ehe sie in Ammendorf zu Einsatz kamen.

Schwoitsch wurde 1371 als Zwoytz erwähnt. Um die Jahrhundertwende (19./20. Jh.) war der Ort bekannt für seine Rüben-, Blumen-, Gemüsesamenzucht. Mitte des 19. Jh. entstanden Zuckerfabriken (1851, 1864), die für die Umgebung von Bedeutung waren.
In Verbindung mit den Fabriken wurde Braunkohle im Tiefbau abgebaut. Schwoitscher Arbeiter nahmen an Kampfaktionen der Arbeiterklasse teil (z. B. Märzkämpfe, Niederschlagung des Kapp-Putsches u. a.)

Benndorf (dazugehörig Bennewitz) besteht seit dem 11./12. Jahrhundert als eine deutsche Siedlung.
Die Siedlung wurde 1313 als Bennendorp erwähnt. Die Siedlung Bennewitz wurde als ein slawischer Rundling angelegt. Proitz ist der größere, durch die Kabelske getrennte Teil von Benndorf. Der Ortsname ist slawisch. (Ersterwähnung: 1182 als Broize).

Gottenz wurde 1371 als Gotentz erwähnt. (Scherzhafte Gemüter meinen, dass in Gottenz damals auch die Gottenzmilch für die Kaffeetrinker erfunden wurde.)

Die Gemeinde Gröbers wurde im Jahre 1182 erstmals urkundlich erwähnt.
Der damals zuständige Erzbischof Wichmann bestätigte dem Kloster Neuwerk den Besitztum von einer Hufe (exakt abgemessenes Landstück) in Groberwice (heute: Gröbers).
Um das Jahr 1400 wurde das Dorf vom Erzbischof Kuno Baldewin für nur 200 Gulden verkauft, und geriet mit seinen Ortsteilen in die Hände des Vasallen Billing.
Gröbers, Osmünde, Schwoitsch und ein Teil von Benndorf waren damals Teil des preußischen Amtes Giebichenstein. Der andere Teil von Benndorf gehörte zum preußischen Patrimonialgericht Benndorf.
Gottenz war Teil des preußischen Patrimonialgerichtes Lochau. Durch den Erzbischof "Friedrich vom Amte" Giebichenstein wurde Groberwice im Jahre 1459 wieder eingelöst, nachdem es von durchziehenden Hussiten stark verwüstet und abgebrannt worden war.
Es wurde auch als Branddorf bezeichnet. Etwa um 1650 wurde die Leipziger Chaussee geschaffen, welche 1745 vom "Alten Dessauer" als Truppenaufmarschstraße gegen die Sachsen benutzt wurde.
Die Bezeichnung von Gröbers als westfälisches Dorf erklärt sich aus der Zugehörigkeit zum, von 1807 bis 1813 unter der Regierung des Bruders Napoleons I. Jerome Bonaparte, bestehenden Königreich Westfalen.
Im Jahre 1825 bestand Gröbers aus 33 Häusern mit 176 Einwohnern. Am 18. August 1848 hielt in Gröbers der erste Zug, womit die Bahnstation Gröbers geboren wurde. 1851 wurde die Zuckerfabrik "Zeising & Co." erbaut, die ihren Betrieb bis zur Vereinigung mit der Fabrik Schwoitsch im Jahre 1914 aufrecht erhalten hat.
Bis in das späte Mittelalter war die Gemeinde Gröbers eine der wichtigsten Flecken des Saalkreises. Diese Bedeutung läßt sich zurückführen auf die alte Salzstraße, welche durch die Gemeinde führt. Noch heute kann man sie augenscheinlich verfolgen.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte ein wirtschaftlicher Aufschwung. In der Gemarkung Gröbers wurde Braunkohle im Tiefbau abgebaut. Die Grube "Klara" belieferte die Zuckerfabriken in der Umgebung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts arbeitete ca. ein Viertel der Bevölkerung in Halle. Gröbers, insbesondere OT Schwoitsch entwickelten sich zu Zentren der Arbeiterbewegung des Saalkreises. Mit der Gründung des Arbeiterturnvereins (1901), des Arbeiterradfahrerbundes und des Arbeitergesangvereins (1908) organisierten sich die Arbeiter von Gröbers und Umgebung.
Im Zuge der demokratischen Bodenreform wurde durch die Gemeindebodenkommission insgesamt 1160 Hektar Grund und Boden an 102 Neubauern vergeben. 1946 gründete sich auch die VdgB (BHG) und es wurden die ersten Neubauernhäuser errichtet. 1947 entstand das Provinzialgut (dann VEG), 1949 die MAS Gröbers.
Am 01. Mai 1950 fand die Einweihung des Kindergartens und des Sportplatzes statt. Im gleichen Jahr, am 01. Juli, bildete sich die Großgemeinde Gröbers als Verbund ihrer fünf Ortsteile. Am 28.07.1952 wurde in Gröbers die LPG "08. Mai" und kurz danach die LPG "07. Oktober" gegründet.
Im Zeitraum von 1947 bis 1955 sind 49 Bauernhöfe entstanden. Weiterhin wurden 1952 zwei neue Kindergärten und zwei Krippen in den Ortsteilen Schwoitsch und Benndorf eröffnet.
Am 24.09.1862 erschien ein Aufruf der Brüder Knauer zur Gründung einer neuen Zuckerfabrik in der Nähe von Gröbers.
So erfolgte am 01.03.1864 die Gründung der Zuckerfabrik "Knauer & Co." durch 14 Anteilseigner im OT Schwoitsch.
Knauer kaufte im Jahre 1857 in der Nähe der Fabrik Land, und ließ eine Villa mit Parkanlage errichten. Die Villa wurde mit verkieseltem Holz aus der Braunkohlengrube verkleidet, und ist heute noch gut erhalten.  Über dem Haupteingang ließ Knauer ein Medaillon mit einer Rübe anbringen. Die Kreisrunde angebrachte Inschrift lautet: "Dir verdankt diese Haus sein Entstehen".
Villa und Parkanlage erregten großes Aufsehen. Sie wurden als "Zierde der Gegend" beschrieben. Parkgelände und Villa sind auch heute noch gut erhalten, wenn auch stark verändert.

Der Bornhöck, ein Hügel mit einer alten Gerichtsstätte (auf dem Weg Richtung Raßnitz), wird erstmals erwähnt in einer Urkunde von 1353, die ihn als Besitz des Petriklosters zu Merseburg ausweist.
Aus dem 18. Jahrhundert ist die Nachricht überliefert, wonach auf dem Hügel Gericht gehalten worden ist. Es handelt sich wohl um ein Rügegericht des Abtes von St. Peter für die Bauern von Weßmar und der wüsten Marck Dölitz. An bestimmten Tagen im Jahr hatten sie auf dem Bornhöck zu erscheinen und ihre Rügen (Weide-, Feld-, Wald- und Gemeindestreitigkeiten) vorzubringen.
Bornhöck ist wohl als "Born" und "Höch", beides im Sinne von Berg, Kulthügel, Begräbnishügel zu deuten.
Der große Grabhügel, den er einstmals trug, wurde im vorigen Jahrhundert abgetragen.
Die Menschen haben den Bornhöck stets als ehrwürdigen Ort betrachtet. Trotz des intensiven Ackerbaues -schon der Chronist Dreyhaupt lobte im Jahr 1755 den "schönen Ackerbau" von Gröbers- ließen sie ihn nahezu unberührt.
Die Reste des Bornhöck liegen heute im Braunkohleabbaugebiet.

Der Ortsteil Osmünde hat sich eine vorherschende Stellung in alter Zeit errungen. Es verdankte dies einer von den Erzbischöfen begünstigten Stellung seiner Kirche und ferner einer wichtigen ehemaligen Landstraße, die durch den Ort führte. Noch heute sind alle Ortsteile der Gemeinde Gröbers in die Kirche eingepfarrt. Keiner hat je eine eigene Kirche besessen. Sie sind also schon in alter Zeit abhängig von Osmünde gewesen.
Die Kirche hat im Jahre 1179 schon existiert; ein rein romanischer Baustil. Die Kirche ist dem heiligen Petrus geweiht, und gesellt sich deshalb zu den alten Kirchen auf dem Petersberge, auf der Wettiner Burg, in Löbejün und in Halle.
Das etwa 200 Jahre alte Pfarrhaus steht seitwärts zur Kirche, es ist um 1870 vergrößert worden und dient als Wohnraum.

1977 wurde die Schule "W. I. Lenin" fertiggestellt, welche am 27. Februar 1978 von Schülerinnen und Schülern erstmals bezogen wurde. Aus der POS Lenin wurde 1991 die Grundschule und die Sekundarschule Gröbers. Als am Ende des Schuljahres 1996/97 die Grundschule einen Neubau erhielt, blieb die namenlose Sekundarschule übrig.
Anläßlich des 20-jährigen Bestehens der Schule im Februar 1998 verlieh man ihr den Namen des, am 03. Februar 1860 in Großkugel geborenen, Professors Otto Schmeil. Er war als Rektor in Halle und Magdeburg nicht nur Pädagoge, sondern gleichzeitig ein hervorragender Biologe.

 

© Karsten Braun E-Mail

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